Tod eines Steuerfahnders

Im Vorfeld der Bundestagswahl im September 2013 kocht die Debatte um eine neue Steuergesetzgebung wieder hoch. Die europäische Finanzkrise hat enorme Löcher in die Staatshaushalte gerissen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander und genauso die Ansichten zwischen Regierung und Opposition, wie Steuersünder zu behandeln sind. Der Vorwurf der SPD: die Regierung verhindere aktiv und absichtlich die Strafverfolgung von Steuersündern.

Im Zuge dieser Debatte um soziale Gerechtigkeit hat sich das freie Leipziger Theaterensemble DramaVision mit der Biographie des ehem. Steuerfahnders Frank Wehrheim befasst und für die Theaterbühne umgesetzt.

Es entstand eine abendfüllende Satire über Aufstieg und Fall eines Staatsbeamten, kontrastiert mit Szenen und Praktiken aus der Welt der Finanzlobby und der politischen Karriere des Roland Koch.

Premiere ist am 16. September 2013 um 20 Uhr in der naTo

Jahrelang führten Steuerfahnder Frank Wehrheim und seine Kollegen Millionen von hinterzogenen Steuern dem deutschen Staatssäckel zurück, wurden gelobt, gefeiert und befördert. Doch plötzlich werden sie ihren Amtsvorderen zu unbequem. Hessen unter Roland Koch möchte es sich nicht mit seinen größten Unternehmen verscherzen, vor allem nicht mit den mächtigen Großbanken im Finanzstandort Frankfurt.

Als die Steuerfahndung Frankfurt V Mitte der 90er Jahre mit einem Großaufgebot in die Commerzbank einmarschierte und sie der Beihilfe zur Steuerhinterziehung überführte, übertrat sie scheinbar eine rote Linie. 1999 kam die CDU in Hessen an die Macht und ein paar Jahre später wurde die komplette Abteilung der Steuerfahndung Frankfurt V zerschlagen. Die hochqualifizierten Beamten wurden degradiert, gemobbt, und ein paar Mutige, die sich gegen diese Praktiken zur Wehr setzten, am Ende gar von einem Psychiater für paranoid erklärt.

Zwei Untersuchungsausschüsse schafften es bis heute nicht den Skandal aufzuarbeiten. Jetzt entscheidet das Gericht. Und die Chancen für die Fahnder stehen gut.

Das Theaterstück basiert zu 95% auf überprüfbaren Fakten und wirkt dennoch wie eine überzogene Satire aus der Feder eines phantasiebegabten Autors. Mit viel schwarzem Humor wird die Verstrickung zwischen Wirtschaft und Politik abgebildet ohne moralischen Kommentar. Die menschlichen Tragödien der Fahnder stehen neben ebenso tragischen Momentaufnahmen der Steuerhinterzieher. Die Hybris, die Gier und die Dummheit der Eliten wird vorgeführt und bei all dem sehen sich die Zuschauer einem spielfreudigen Theaterensemble gegenüber, das sich mit hohem Tempo und einfachsten szenischen Mitteln durch 30 Jahre einer Fahnderkarriere spielt.

Tod eines Steuerfahnders

PREMIERE:  16.09.2013 – 20 Uhr, naTo (Karl-Liebknecht-Straße) + mit anschließendem Publikumsgespräch (leider schon ausverkauft!)

WEITERE TERMINE:

30.09.2013 – 20 Uhr, naTo

11.10.2013 – 20 Uhr, naTo

13.10.2013 – 16 Uhr, naTo

Zum Kartenvorverkauf bitte zu TixforGigs schauen!

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LVZ vom 11.07.2013 (Online-Version):

LVZ_kaltgestellt

LVZ vom 18.09.2013:

LVZ_18_09_13

Kleiner Beitrag von Arte Journal zu Frank Wehrheim und unseren Proben:

… und hier noch eine lohnenswerte Doku des ZDF.